Kaum eine Messung entscheidet so oft über Diagnosen und Medikamente wie die Blutdruckmessung – und kaum eine wird so häufig falsch durchgeführt. Volle Blase, übergeschlagene Beine, Kaffee vorweg oder die Manschette über dem Pullover: Jeder dieser Fehler verfälscht das Ergebnis um bis zu 10 mmHg oder mehr. Hier steht Schritt für Schritt, wie die Heimmessung richtig geht – damit Ihre Werte wirklich etwas aussagen.
Das Wichtigste in Kürze
- Fünf Minuten ruhig sitzen vor der Messung – Rücken angelehnt, Füße am Boden, Arm aufgelegt.
- Manschette auf Herzhöhe direkt auf der Haut, passende Größe verwenden.
- 30 Minuten vorher kein Koffein, Nikotin oder Sport; Blase vorher leeren.
- Zweimal messen im Abstand von 1–2 Minuten, den Mittelwert notieren – ideal morgens und abends über 7 Tage.
- Selbstmessung gilt ab 135/85 mmHg als erhöht – der Praxisgrenzwert von 140/90 gilt nur beim Arzt.
Die Messung Schritt für Schritt
- Vorbereitung: 30 Minuten vorher kein Kaffee, keine Zigarette, kein Sport; Blase leeren, dann fünf Minuten ruhig und angelehnt sitzen – nicht reden, nicht aufs Handy schauen.
- Position: beide Füße flach am Boden, Beine nicht überschlagen, Arm entspannt auf dem Tisch – die Manschette liegt automatisch etwa auf Herzhöhe.
- Manschette anlegen: direkt auf die Haut (nicht über Kleidung, Ärmel nicht abschnürend hochkrempeln), zwei Finger breit über der Ellenbeuge, passende Manschettengröße – zu kleine Manschetten messen falsch hohe Werte.
- Messen und wiederholen: während der Messung still sitzen; nach 1–2 Minuten ein zweites Mal messen und den Mittelwert notieren. Beim allerersten Mal an beiden Armen messen – künftig gilt der Arm mit dem höheren Wert.
- Protokoll führen: ideal ist die 7-Tage-Messung: morgens vor Medikamenten und abends je zwei Messungen, alle Werte mit Datum und Uhrzeit notieren oder in der Geräte-App speichern.
Orientierung für die Selbstmessung zu Hause – die Grenzwerte liegen niedriger als in der Praxis:
Warum zu Hause andere Grenzwerte gelten: In der Praxis sind viele Menschen angespannt („Weißkitteleffekt") – deshalb liegt die Schwelle dort bei 140/90 mmHg, zu Hause schon bei 135/85. Umgekehrt gibt es den maskierten Bluthochdruck: unauffällig beim Arzt, erhöht im Alltag. Genau deshalb ist Ihre saubere Heimmessung so wertvoll.
Einzelne erhöhte Werte sind kein Grund zur Panik. Handeln müssen Sie bei:
- Werten ab 180/110 mmHg mit Beschwerden wie Brustschmerz, Atemnot, Sehstörungen, Lähmungen oder heftigem Kopfschmerz – sofort Notruf
- Werten ab 180/110 mmHg ohne Beschwerden: 5 Minuten ruhen, erneut messen – bleibt der Wert, noch am selben Tag ärztlich melden
- Wiederholt erhöhten Werten über 135/85 in der 7-Tage-Messung – Termin zur Abklärung vereinbaren
So ordnen Sie hohe Werte richtig ein:
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